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Was ist eigentlich Barock?
Mr Händel erklärt Dir, was Barock ist

Ich möchte Dir ein wenig über die Zeit erzählen, in der Georg Friedrich Händel gelebt hat.
Diesen Zeitraum nennt man BAROCK und er dauerte ungefähr von 1575 bis 1770 – da streiten sich die Gelehrten ein bisschen.

Es war die Zeit, in der die Piraten über die Weltmeere fuhren, der dreißigjährige Krieg Europa verwüstete, Wien 1683 der türkischen Belagerung standhielt, die großen Hexenverfolgungen stattfanden und England sich zur großen Kolonialmacht entwickelte.

Die Wissenschaften machten große Sprünge und es gab viele Entwicklungen und Entdeckungen.
Galileo Galilei
So wurde um 1600 das Fernrohr erfunden und auch das Mikroskop. Isaak Newton legte die Grundlagen der klassischen Mechanik. Galileo Galilei z.B. gilt als Begründer der modernen Astronomie und erfand das heliozentrische Weltbild.
Dieses erklärt unser Planetensystem, dass sich nämlich die Planeten um die Sonne bewegen und nicht, wie vorher angenommen, die Erde das Zentrum des Weltalls ist.
Stell dir vor, damit versetzte er die katholische Kirche sehr in Aufruhr. Ich muss mir heute noch vor Empörung die Flöhe aus dem Fell schütteln...

Kirche und Fürsten waren sehr bestrebt, sich selber in den Vordergrund zu rücken und ihre Macht zu festigen (das nennt man Absolutismus) und der ganze Prunk diente vor allem der Selbstdarstellung. Vielleicht hast Du schon einmal vom Sonnenkönig Ludwig, dem 14. gehört.
Der hat gesagt: „L´Etat, c´est moi!“ Das heißt, „der Staat, das bin ich!“ Na, war der aber eingebildet! Aber so war das eben...

Im Barock lebten die Menschen ganz anders als wir heute!
Mein Frauchen pudert sich jedenfalls nicht so die Haare...

Es handelte sich um eine sogenannte Stände-Gesellschaft, an deren Spitze der König stand.
Der Adel ließ es sich gutgehen.
Die drei Stände teilten sich auf in den Klerus (das sind die Geistlichen), den Adel und das gemeine Volk.
An der Lebensweise und der Kleiderordnung konnte man erkennen, zu welchem Stand jemand gehörte („jawohl, das gab´s! Von wegen, tragen was man will...naja, also ich finde ja: Fell ist Fell“).

Der Adel kleidete sich sehr prunkvoll und kostbar, lebte sehr komfortabel und ließ, man kann es nicht anders sagen, die armen Leute für sich schuften. Diese durften nur minderwertige Stoffe verarbeiten und anziehen, bunt durften sie auch nicht sein.
Eine Magd im Baraock.
Sie hatten auch keine soziale Absicherung, wie wir sie heute kennen. Man musste einfach arbeiten um überleben zu können – auch als alter oder kranker Mensch!

Und dann stell Dir mal vor, wie die Menschen ihre knappe Freizeit verbracht haben: Es gab kein Fernsehen, kein Kino, keine Computer, kein Auto, keine Flugzeuge, kein Telefon oder Handy. Facebook, Twittern, etc. kannst Du alles vergessen!!!
Kinder bei einer Soiree.
Zur Belustigung und Entspannung machte man Hausmusik und veranstaltete Soireen (das sind kleine Abendveranstaltungen) oder man ging ins Theater und in die Oper, wenn man sich das leisten konnte.
Man schrieb sich Briefe und Post zu verschicken konnte Wochen oder gar Monate dauern. Um zu verreisen, was eine grässlich anstrengende und unbequeme Angelegenheit war, benutzte man Postkutschen oder Schiffe.
Mein Frauchen ist heutzutage schneller unterwegs – und ich auch!

Ach, ich wollte Dir ja noch erklären, wo das Wort Barock herkommt. Es entstammt dem portugiesischem „barroco“, was in etwa soviel heißt wie „unregelmäßige und schiefe Perle“. Das ist ja erst einmal kein Kompliment, oder?
Und das kam so:
In dieser Zeit mochten die Menschen großartige und üppige Formen mit vielen Schnörkeln und Verzierungen, also eine unglaublich große Ideenvielfalt oder ein Riesendurcheinander
Das findest Du überall, ob in der Architektur, Bildern, Kleidungsstil oder eben auch in der Musik.
Allerdings fand man das irgendwann auch einfach alles zu viel und hat abschätzig angefangen, diese ganze Stilrichtung als barroco zu bezeichnen.

Schau Dir mal den Vatikan in Rom an, wo der Papst wohnt.
Der Petersdom im Vatikan
Vielleicht gehst Du auch mal in Göttingen auf Entdeckungsreise und schaust nach Bauten aus dem Barock
Guck doch mal, ob das Gebäude der Händel-Gesellschaft, wo ich mit meinem zweibeinigen Team arbeite, auch aus dem Barock stammt???

Puder und Perücke trugen damals
auch die Männer.
Ganz extravagant sind oft die Kleider dieser Zeit.
Die Menschen, Frauen wie Männer, verwendeten viel Zeit auf ihre äußere Erscheinung.
Da gab es üppige Perücken, spitzenbesetzte Ärmel, Schönheitsfleckchen auf der Wange, Puder auf der Perücke und im Gesicht, viel Parfüm sowie ausladende Kleider mit ganz vielen Metern Stoff bei den Frauen.
Dafür allerdings verwendeten diese Herrschaften um so weniger Zeit auf die eigentliche Körperpflege, gewaschen hat man sich gar nicht, oder einmal im Jahr...uih, muss es da gemüffelt haben!

Auch in der Musik hat sich ganz schön viel entwickelt. Die Kirchentonarten, also sozusagen die tonale Grundordnung der Musik vor der Zeit des Barock, wurde abgelöst durch die sogenannte Dur-Moll-Tonalität, die auch ein Harmonie-Ordnungssystem ist.
Für die Komponisten und Musiker im Barock war es besonders wichtig, mit ihren Instrumenten und natürlich auch mit der Stimme Gefühle und menschliche Stimmungen auszudrücken.
Die Italiener nannten das „con affetto“, das heißt „mit Affekt“. Tempo, Rhythmus, Tonhöhe, Klangfarbe, einfach alles war auf große Gefühle ausgerichtet - „Drama Baby!“
Übrigens, viele Neuheiten des Barock entstanden in Italien.
Zum Beispiel die Gattung Oper , also Theater und Musik zusammen. Deswegen nennt man das heute in Deutschland auch oft Musiktheater. Auch das „Oratorium“ wurde in Italien erfunden. Ein Oratorium ist ein bisschen wie eine Oper, nur ohne Kostüme und ohne Bühnenbild. Die Texte, die dann von den Sängern und dem Chor gesungen wurden, sind geistlich und stammen meistens aus der Bibel.
Mein Lieblingsoratorium ist, ganz nebenbei gebellt, „Messias“ von meinem Namensvetter Georg Friedrich. Ich liebe es, einfach im Halleluja Chor nach Herzenslust mit zu jaulen.

Die harmonische Grundlage der Barockmusik, also sozusagen die Pfoten der Komposition, war der Generalbass oder auch Basso continuo.
Der war so enorm wichtig in der Barockmusik, dass die ganze Epoche sogar als das „Generalbasszeitalter“ bezeichnet wird.
Der Generalbass besteht aus der tiefsten Instrumentalstimme, der Bassstimme, und zur Melodie und zum musikalischen Ablauf passenden Akkorden.
Diese wurden aber nicht als Noten geschrieben, sondern durch Ziffern und andere Symbole angegeben, die über oder unter die Noten der Generalbassstimme geschrieben wurden.
Hier kannst du sehen wie so eine Generalbassschrift aussieht.
Eine eigene Generalbassschrift sozusagen.

Typische Generalbassinstrumente sind zum Beispiel Cello, Laute, Kontrabass und Cembalo.
Die anderen Instrumente hatten dann die Möglichkeit über dem Gerüst des Generalbasses virtuos und vor allem affektgeladen zu improvisieren.
Im Barock entwickelte sich das sogenannte „konzertante Prinzip“. Das bedeutet, dass die einzelnen Stimmen im Orchester noch wichtiger wurden und mehr Gestaltungsfreiheiten bekamen. Improvisation und Virtuosität des Einzelnen wurden sehr wichtig und verschmolzen mit dem Gerüst des Generalbasses zu einem harmonischen Gesamtklang.
So entstanden dann weitere Gattungen wie das dreisätzige Konzert , bei dem sich Passagen, in denen alle Instrumente gleichzeitig spielen, mit Solopassagen eines einzelnen Instruments abwechseln.

Apropos Instrumente: Die Streich- und Blasinstrumente des Barock waren nicht auf einen lauten und Raum füllenden Klang ausgelegt.
Die menschliche Stimme, mit all ihren Nuancen, ihrer Fähigkeit zur Veränderung und Wärme war Vorbild für die Instrumente des Barock.

Schau dir hier mit mir zusammen typische Barockinstrumente an.

Also ich finde der Barock war ja wirklich ein spannendes Zeitalter. Aber irgendwie bin ich doch ganz froh, dass ich in der heutigen Zeit lebe, mit Frauchen und meinem sauberen Schlafkorb und Hundeknochen und Leckerli und…